Warum Google nicht verschwunden ist – und warum es trotzdem Spaß machen kann, KI auszuprobieren

„Ich habe doch Google. Warum soll ich jetzt noch ChatGPT benutzen?“ Vielleicht haben Sie diesen Gedanken auch schon gehabt. Und ehrlich gesagt: Ich kann ihn gut verstehen. Wenn Sie seit Jahren Google benutzen, Ihre Suchbegriffe eingeben und meistens finden, was Sie suchen, warum sollten Sie sich jetzt noch an etwas Neues gewöhnen?

Letzte Überarbeitung vom 29. August 2026
Artikel vom 28.11.2025 Autor: Andreas Paersch, Computerhilfe in Ungarn
Die gute Nachricht: Sie müssen Google gar nicht aufgeben.
Aber Sie sollten wissen, was inzwischen zusätzlich möglich ist. Denn die Suche verändert sich gerade – und zwar schneller, als viele denken.
Eine aktuelle YouGov-Untersuchung zeigt für Deutschland ein interessantes Bild:
79 Prozent der Online-Suchenden nutzen weiterhin klassische Suchmaschinen.
Gleichzeitig greifen bereits 39 Prozent auf KI-Apps als Informationsquelle zurück.
Die klassische Suche ist also keineswegs verschwunden. KI kommt vielmehr als weiterer Weg hinzu. Und wie nutzen die Menschen diese neue Möglichkeit? Auch hier ist das Ergebnis interessant:
23 Prozent klicken nach einer KI-Antwort anschließend auf die von der KI genannten Quellen oder Links.
Weitere 20 Prozent vergleichen die Antwort mit anderen Anwendungen oder Informationsquellen.
Die KI-Antwort ist für viele also nicht das Ende der Recherche, sondern ein Ausgangspunkt für die nächste Suche. Es geht gar nicht darum, Google gegen ChatGPT auszutauschen. Es geht darum, die Möglichkeiten beider Werkzeuge sinnvoll miteinander zu verbinden.
Wann kann die Google-Suche die bessere Wahl sein?
Wenn Sie schon ziemlich genau wissen, was Sie suchen, würde ich auch weiterhin Google benutzen:
Sie möchten die Webseite einer Behörde finden.
Sie brauchen eine Telefonnummer.
Sie suchen die Öffnungszeiten eines Geschäfts.
Sie möchten wissen, wo ein bestimmtes Restaurant liegt.
Sie suchen einen konkreten Anbieter oder ein bestimmtes Produkt.
Dann brauchen Sie keine lange Unterhaltung mit einer KI. Sie wollen einen Treffer.
Und dafür ist die klassische Suche nach wie vor sehr gut geeignet. Die Zahlen von YouGov bestätigen das: Mit 79 Prozent bleibt die klassische Suchmaschine in Deutschland mit großem Abstand der wichtigste Weg, um online Informationen zu finden.
Wann kann mir KI die Suche leichter machen?
Interessant wird es, wenn Sie noch gar nicht genau wissen, was Sie eigentlich suchen müssen. Vielleicht leben Sie inzwischen in Ungarn und möchten Ihr Haus im Sommer kühler bekommen. Sie könnten bei Google nach „Sonnenschutz Haus Ungarn“
suchen und sich durch verschiedene Webseiten arbeiten. Oder Sie fragen eine KI:
„Ich lebe in einem Einfamilienhaus in Ungarn. Im Sommer werden die Räume sehr heiß. Welche Möglichkeiten gibt es, ohne gleich eine Klimaanlage einzubauen? Erkläre mir bitte die Vor- und Nachteile.“
Jetzt passiert etwas anderes.
Die KI hilft Ihnen zunächst einmal dabei, das Problem zu verstehen und die Möglichkeiten zu sortieren.
Vielleicht stellen Sie danach fest, dass eine Außenbeschattung für Sie interessant wäre. Dann können Sie wieder ganz klassisch Google benutzen und nach Anbietern suchen.
Erst KI, dann Google. Oder andersherum. Beides ist möglich.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Google und einer KI-Suche?
Bei einer klassischen Suche geben Sie meistens Begriffe ein, von denen Sie hoffen, dass sie zu den richtigen Ergebnissen führen. Bei einer KI können Sie dagegen eine Frage stellen, so wie Sie sie auch einem Menschen stellen würden. Das ist besonders praktisch, wenn Ihr Problem kompliziert ist oder Sie noch gar nicht wissen, welche Informationen Sie eigentlich benötigen. Stellen Sie sich vor, Sie möchten auswandern.
Bei Google können Sie suchen: „Auswandern nach Ungarn“. Dann beginnen Sie, sich durch verschiedene Webseiten zu arbeiten. Eine KI können Sie dagegen zunächst fragen:
„Ich überlege, nach Ungarn auszuwandern. Welche Themen sollte ich unbedingt klären, bevor ich mich entscheide?“
Die KI kann Ihnen daraus beispielsweise eine Liste machen:
Aufenthaltsrecht
Steuern
Krankenversicherung
Wohnsitz
Bankkonto
Auto
Sprache
Kosten
Wohnung oder Haus
Jetzt wissen Sie, wonach Sie suchen müssen. Und genau das ist für mich eine der großen Stärken von KI.
Muss ich dafür zu ChatGPT wechseln?
Nein. Das ist ein wichtiger Punkt, denn genau hier entstehen gerade viele Missverständnisse. KI-Suche bedeutet nicht automatisch ChatGPT.
Google selbst baut KI immer stärker direkt in seine Suche ein. Google spricht inzwischen sogar von einer „neuen Ära der KI-Suche“ und entwickelt seine Suchmaschine so weiter, dass komplexere Fragen direkt mit KI bearbeitet werden können. Mit AI Overviews und AI Mode können Sie Suchfragen direkt mit KI-Unterstützung beantworten lassen und anschließend weiterfragen. Google beschreibt die aktuelle Entwicklung ausdrücklich als Verbindung seiner Suchtechnologie mit leistungsfähigen KI-Modellen. Das heißt: Sie können weiterhin Google benutzen und trotzdem KI ausprobieren. Sie müssen nicht Ihre Gewohnheiten komplett ändern.
Das Neue kommt teilweise einfach zu dem hinzu, was Sie bereits kennen.
Und was ist mit dem Browser "Brave"?
Brave Search verbindet klassische Suchergebnisse mit KI-generierten Antworten. Auch im Brave-Browser ist KI direkt integriert. Das zeigt sehr schön, wohin die Entwicklung geht: Die Grenze zwischen „Suchmaschine“ und „KI“ wird immer dünner. Sie müssen nicht unbedingt ein separates KI-Programm öffnen, um KI beim Suchen zu nutzen.
Was kann ich mit ChatGPT machen, was Google nicht so bequem kann?
Hier wird es für mich richtig interessant. Denn ChatGPT ist längst nicht mehr nur ein Programm, das Ihnen Texte schreibt. Sie können beispielsweise sagen:
„Ich habe diesen Brief von einer Behörde bekommen. Erkläre mir bitte in einfachen Worten, worum es geht.“
Oder:
„Ich möchte meinen Urlaub planen. Welche Informationen brauchst du von mir?“
Oder:
„Ich habe drei Angebote bekommen. Hilf mir, die Unterschiede zu verstehen.“
Oder:
„Ich möchte meine Webseite verbessern. Stell mir zuerst die Fragen, die du dafür beantworten musst.“
Sie können anschließend weiterfragen. Sie können sagen:
„Das verstehe ich noch nicht.“
Oder:
„Erkläre es mir bitte ohne Fachbegriffe.“
Und genau das macht den Unterschied aus.
Google hilft Ihnen vor allem dabei, Informationen zu finden. Mit einer KI können Sie anschließend mit diesen Informationen arbeiten.
Das bedeutet nicht, dass das eine grundsätzlich besser ist als das andere.
Es sind einfach unterschiedliche Möglichkeiten, mit Informationen umzugehen.
Muss ich ein Computerprofi sein, um KI zu benutzen?
Nein.Und vielleicht ist das der wichtigste Punkt für alle, die bisher gedacht haben:
„Das ist doch etwas für junge Leute,
Programmierer oder Computerfreaks.“
Sie müssen keine Fachbegriffe kennen und auch keine komplizierten Befehle lernen.
Schreiben Sie einfach, was Sie wissen möchten. Und wenn die Antwort nicht passt, sagen Sie der KI, was Sie anders brauchen. Zum Beispiel:
„Das ist mir zu kompliziert. Erkläre es bitte so, dass auch jemand ohne technische Kenntnisse es versteht.“
Oder:
„Gib mir bitte nur die drei wichtigsten Punkte.“
Oder:
„Mach mir daraus eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.“
Das ist eigentlich schon alles. Und vielleicht stellen Sie nach ein paar Versuchen fest, dass KI gar nicht so kompliziert ist. Vielleicht macht es Ihnen sogar Spaß.
Warum sollten Unternehmer KI nicht einfach ignorieren?
Für den privaten Alltag kann KI eine praktische Hilfe sein. Für Selbstständige und kleine Unternehmen wird sie aber zunehmend zu einer Wettbewerbsfrage.
Das zeigt auch eine aktuelle Erhebung des ifo Instituts:
54,5 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen inzwischen KI in ihren Geschäftsprozessen. Ein Jahr zuvor waren es 40,9 Prozent.
Weitere 16 Prozent planen den Einsatz bereits, weitere 21,6 Prozent diskutieren darüber.
Noch interessanter ist der Blick auf Soloselbstständige und Kleinstunternehmen:
51,2 Prozent setzen bereits KI in ihren Geschäftsprozessen ein, gegenüber 30,4 Prozent im Jahr 2025.
Das ist eine Entwicklung, die man als kleiner Unternehmer nicht einfach ignorieren sollte. Stellen Sie sich zwei Unternehmer vor:
Der eine nutzt KI regelmäßig, um Informationen zu recherchieren, Texte vorzubereiten, Ideen zu entwickeln, Angebote zu strukturieren oder Kundenanfragen vorzubereiten.
Der andere macht alles weiterhin so wie vor fünf Jahren.
Am Anfang wird der Unterschied vielleicht kaum auffallen. Aber wenn der erste Unternehmer jeden Tag Zeit spart und diese Zeit für Kunden, Vertrieb oder neue Ideen einsetzen kann, entsteht daraus irgendwann ein Vorsprung.
Und genau deshalb halte ich es für gefährlich, KI als vorübergehende Mode abzutun.
Sie müssen nicht jede neue KI-Anwendung ausprobieren.
Aber Sie sollten wissen, was mit KI möglich ist – und was Ihre Wettbewerber damit bereits machen.
Muss ich jetzt fünf verschiedene KI-Systeme lernen?
Nein. Bitte machen Sie sich das Leben nicht unnötig schwer. Sie brauchen nicht ChatGPT, Claude, Gemini, Copilot und fünf weitere Systeme gleichzeitig. Nehmen Sie eines. Probieren Sie es aus. Und stellen Sie zunächst Fragen, die Sie tatsächlich interessieren. Nehmen Sie eine echte Aufgabe aus Ihrem Alltag. Dann merken Sie viel schneller, was KI kann, als wenn Sie zehn Artikel über künstliche Intelligenz lesen.
Und vermutlich kommt irgendwann der Moment, an dem Sie sagen:
„Das hätte ich jetzt tatsächlich nicht erwartet.“
Genau dann wird es interessant.
Eine wichtige Regel sollten Sie trotzdem beachten
So hilfreich KI sein kann: Sie ist kein Orakel. Auch moderne KI-Systeme können Fehler machen. Deshalb sollten Sie bei wichtigen Fragen nicht einfach die erste Antwort übernehmen. Bei Steuern, Recht, Gesundheit, Versicherungen oder Behördenangelegenheiten gilt für mich:
KI für den Überblick – Originalquelle für die wichtige Entscheidung.
Die KI kann Ihnen helfen, eine komplizierte Information zu verstehen. Die verbindliche Auskunft finden Sie anschließend bei der zuständigen Behörde, dem Gesetzgeber, Ihrem Arzt, Steuerberater oder einer anderen fachlich zuständigen Stelle. Und auch bei einer normalen Google-Suche gilt natürlich: Nicht jeder Treffer ist automatisch eine zuverlässige Quelle.
Google oder KI? Probieren Sie einfach beides aus
Vielleicht müssen Sie sich also gar nicht entscheiden.
Sie können weiterhin Google benutzen.
Sie können die KI-Funktionen in Google ausprobieren.
Sie können Brave testen.
Und Sie können ChatGPT oder eine andere KI ausprobieren, wenn Sie merken, dass Sie mit einer Frage nicht weiterkommen.
Die aktuellen Zahlen von YouGov zeigen genau diese Entwicklung: KI verdrängt die klassische Suche in Deutschland bisher nicht. Sie ergänzt sie. 23 Prozent der Befragten gehen nach einer KI-Antwort zu den genannten Quellen oder Links, weitere 20 Prozent vergleichen die Antwort mit anderen Anwendungen oder Informationsquellen.
Das ist eigentlich eine sehr vernünftige Art, mit der neuen Technik umzugehen.
Sie müssen nicht alles verändern. Sie können einfach etwas dazulernen.
Fangen Sie klein an. Nehmen Sie eine Sache, die Sie gerade beschäftigt, und fragen Sie eine KI danach. Und dann fragen Sie weiter. Sie werden wahrscheinlich ziemlich schnell feststellen, dass KI viel mehr sein kann als ein Werkzeug zum Schreiben von Texten. Sie kann Ihnen Dinge erklären, Ideen liefern, Informationen sortieren und Ihnen helfen, aus einem Problem einen nächsten Schritt zu machen. Und vielleicht macht es Ihnen sogar Spaß.
Sie möchten KI nicht allein ausprobieren?
Wenn Sie jetzt denken: „Das würde ich gerne einmal ausprobieren, aber ich möchte nicht allein davor sitzen“, dann ist das völlig verständlich. Genau deshalb bieten wir bei Paersch Services auch Webinare rund um KI und ChatGPT an.
Dabei geht es nicht darum, Ihnen möglichst viele Fachbegriffe beizub
ringen. Wir schauen uns vielmehr an, was Sie mit KI im Alltag oder im eigenen Unternehmen tatsächlich anfangen können – Schritt für Schritt und mit praktischen Beispielen.
Sie müssen dabei kein Computerprofi sein. Es geht vielmehr darum, gemeinsam auszuprobieren, was KI für Sie persönlich leisten kann. Denn KI soll kein Grund sein, sich von der digitalen Welt abgehängt zu fühlen. Sie kann im Gegenteil ein Werkzeug sein, das Ihnen neue Möglichkeiten eröffnet.
Und als Unternehmer würde ich noch einen Gedanken im Hinterkopf behalten:
Wenn Ihr Wettbewerber herausfindet, wie er KI sinnvoll für sein Unternehmen einsetzen kann, Sie aber nicht, wird irgendwann nicht mehr die Frage sein, ob KI wichtig ist. Sondern, wie groß der Vorsprung Ihres Wettbewerbers inzwischen geworden ist.
Quellen
YouGov Deutschland – „Neue Studie zur Web-Suche in Deutschland: KI-Assistenten sind wichtiger ergänzender Suchkanal, doch Suchmaschinen bleiben führend“, 15. Juli 2026. Die Studie nennt 79 % Nutzung klassischer Suchmaschinen, 39 % Nutzung von KI-Assistenten sowie die Zahlen zur anschließenden Quellenprüfung.
YouGov – „Searching for answers: How AI is changing online discovery in 2026“, 13. Juli 2026. Grundlage sind 1.005 Befragte in Deutschland; die Befragung wurde vom 21. April bis 29. Mai 2026 durchgeführt.
ifo Institut – „Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzt Künstliche Intelligenz“, 5. Juni 2026. Grundlage ist eine Unternehmensbefragung des ifo Instituts im Mai 2026; 54,5 % der Unternehmen nutzen KI in ihren Geschäftsprozessen.
ifo Institut – Angaben zur KI-Nutzung bei Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen, 2026: 51,2 % setzen KI bereits in Geschäftsprozessen ein.
Google – „A new era for AI Search“, 19. Mai 2026. Google beschreibt die aktuelle Weiterentwicklung der Suche und die stärkere Integration von KI direkt in Search.



